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Zahnmedizin: Konkurrenz für Österreicher steigt

Ein Mal noch gilt die Quote. Vor allem in Innsbruck verschlechtert sich dann die Lage für heimische Bewerber. Die Zahnärztekammer will den nächsten Minister damit befassen. Das Argument des Ärztemangels gilt aber nicht.

Für jene österreichischen Studierenden, die vorige Woche einen Studienplatz in Zahnmedizin bekommen haben, standen die Chancen besser, als das künftig der Fall sein wird. Ein Mal noch sind nach diesem Jahr drei Viertel der Plätze für Bewerber mit österreichischem Maturazeugnis reserviert – danach muss die Quote laut EU-Kommission fallen. Nur in Humanmedizin darf die Zahl der Studenten aus anderen EU-Ländern – vor allem sind es Deutsche – weiterhin auf 20 Prozent aller Studienplätze beschränkt werden. Fünf Prozent gehen bisher an Nicht-EU-Bürger.

Zahlenmäßig liegt die Zahnmedizin deutlich hinter der Humanmedizin: Die angehenden Zahnärzte machen 144 der österreichweit insgesamt 1620 Medizinstudienplätze aus. Je nach Medizin-Uni war der Andrang der ausländischen Bewerber aus der EU, größtenteils eben aus dem benachbarten Deutschland, beim jüngsten Medizinaufnahmetest im Juli unterschiedlich hoch (siehe Grafik). Rechnet man mit diesen Zahlen, würde die Konkurrenz für die österreichischen Kandidaten an den Medizin-Unis Wien und Graz leicht steigen. Statt fünf Kandidaten kämen dann in Wien 5,6 bzw. in Graz etwas mehr als sechs Bewerber auf einen Studienplatz. In Innsbruck wäre die Lage durch die Nähe zu Deutschland dramatischer: Hätten dieses Jahr die EU-Bürger und die Österreicher um die Studienplätze der beiden Gruppen gerittert, dann wäre es für die Österreicher rein rechnerisch fast doppelt so schwierig gewesen, einen Studienplatz zu ergattern (knapp 1:5 statt 1:2,5).

Umgekehrt würde sich die Situation für die EU-Bürger an allen Unis deutlich verbessern: In Wien rangen zuletzt 129 Kandidaten um 16 Plätze (1:8), in Graz 52 um fünf Plätze (1:10) und in Innsbruck kamen 114 Bewerber auf acht für EU-Bürger vorgesehene Plätze (1:14).

Ausweichen auf Privatunis?

In der Zahnärztekammer sieht man mit der nunmehrigen EU-Vorgabe das Problem, das bei der Medizinerquote generell diskutiert wurde: Dass Österreich dann mehr Zahnmediziner für das ungleich größere Deutschland ausbilden wird, wo das Fach bundesweit mit einem Numerus clausus beschränkt ist.

„Die österreichischen Maturanten werden es nun schwerer haben, einen Platz an einer öffentlichen Med-Uni zu bekommen“, sagt Zahnärztekammerpräsident Thomas Horejs im Gespräch mit der „Presse“. Er befürchtet, dass Zahnmedizininteressenten dann teils ins Ausland oder an eine der beiden heimischen Privatunis ausweichen müssen, die das Fach anbieten. „Das ist mit beträchtlichen Kosten verbunden.“ Horejs will mit diesem Thema jedenfalls an den nächsten Wissenschaftsminister herantreten.

Das Argument des Ärztemangels – mit dem Österreich die EU-Kommission davon überzeugte, die Quote in Humanmedizin nicht zu kippen – konnte und kann man bei der Zahnmedizin allerdings nicht ins Treffen führen, wie Horejs erklärt: Während viele ausländische Studierende auch in der Zahnmedizin nach dem Abschluss abwandern würden, bleibt von den Österreichern ein größerer Anteil im Land als bei der Humanmedizin.

„Zweitens gibt es einen starken Zuzug von Zahnärzten aus der EU nach Österreich“, sagt der Zahnärztekammerchef. Im Westen aus Deutschland, in Ostösterreich aus den früheren Kronländern, von Ungarn bis Rumänien. „Somit gibt es keinen Mangel an Zahnärzten.“

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