Plattform der Österreichischen Zahnärzte

Mit Strom und natürlichen Mineralien lassen sich Karieslöcher kitten

Britische Forscher entwickeln eine Methode, die den Zahnarztbohrer zum Teil ersetzen könnte. Marktreife für die Behandlung beginnender Karies in drei Jahren.

Einen völlig neuen Weg zur Behandlung von Karies will man am Londoner King’s College vorantreiben. Dort arbeiten Forscher an einem Prozess, der befallene Zähne mit Hilfe von Strom remineralisieren soll.

Weltweit leiden 2,3 Milliarden Menschen mehr oder weniger an Karies. Damit zählt sie zu den am weitesten verbreiteten heilbaren Krankheiten. Bisher zückten Zahnärzte Bohrer, um die Löcher von kariesbefallenen Zähnen zu reinigen und für eine Füllung vorzubereiten. Das soll – vielleicht schon in wenigen Jahren – der Vergangenheit angehören. Remova Ltd. heißt jene Firma, die die Entwicklung des King’s College und damit eine Alternative zum Bohrer auf den Markt bringen will.

Natürlicher Prozess

In groben Zügen soll die neue Methode so funktionieren: Zuerst wird der Zahnschmelz mit einem nicht näher definierten Mineraliencocktail in Kontakt gebracht. An der befallenen Stelle wird dann ein kleiner, vom Patienten nicht spürbarer Strom angelegt. Dadurch werden Mineralien (Calcium, Phosphate) quasi in den Zahn hineingedrückt. Der Zahn wird remineralisiert und somit wiederaufgebaut. Die Technik nennt sich folglich EAER, Electrically Accelerated and Enhanced Remineralisation. Sie ahmt den natürlichen, aber viel langsameren Prozess des Zahnaufbaus nach.

Nigel Pitts vom Zahninstitut des King’s College ist einer der Entwickler der Methode. Er kritisiert die herkömmliche Art, Karieszähne zu behandeln: "Wenn ein Zahn eine Füllung bekommt, beginnt ein Kreislauf von bohren und wieder bohren." Seine Methode, die in drei Jahren marktreif sein soll, sei nicht nur angenehmer für Patienten und besser für die Zähne, sondern auch voraussichtlich nicht teurer als bisher angewandte Verfahren. Zudem werde sich EAER auch zum Weißen von Zähnen eignen.

Drei Jahre soll es dauern, bis die Innovation in den Zahnarztpraxen ankommt, schätzen die Entwickler. Um die Methode marktgängig zu machen, werden über Reminova, angesiedelt in Schottland (Perth), Investoren gesucht.

Wie die BBC anmerkt, gibt es Kritik an der Vorgehensweise der Zahnforscher, weil sie nicht – wie üblich – Beweise und geprüfte Studien in medizinischen Fachblättern publizierten. Die Kritisierten konterten mit dem Argument der Geheimhaltung. Eine Publikation würde den kommerziellen Erfolg des Projektes gefährden.

Eine Zukunft ohne das wenig angenehme, singende Geräusch des Zahnarztbohrers wird es trotz der neuen Methode nicht geben. Die Entwickler merken an, dass ihre Technik nur bei Karies im Anfangsstadium wirksam sei. Bei ausgedehnteren Löchern muss also weiter das grobe Gerät herangezogen werden. Bitte, Mund weit auf!

Quelle: nachrichten.at


Zurück zur News-Übersicht