Plattform der Österreichischen Zahnärzte

Die Angst vor dem Zahnarzt einfach austricksen

Augen zu, Mund auf und durch: Wie der viel gefürchtete Zahnarztbesuch zum angenehmen Erlebnis werden kann, wissen Tiroler Zahnärzte – aus eigener Erfahrung.

Auch wenn wir es nicht gerne zugeben: Die meisten von uns fühlen sich auf dem Zahnarztstuhl ausgeliefert, haben Angst. Ein Grund: die Angst vor den Schmerzen. Ein weiterer Grund: Ist der Stuhl erst mal nach hinten geklappt, kann man kaum noch flüchten. In einer Studie gaben fast 40 Prozent der befragten Österreicher an, dass sie den Zahnarztbesuch so lange hinausschieben, bis sie Beschwerden haben.

„Ich hatte viele Jahre Angst vor dem Zahnarzt“, sagt Penny Zargar, die selbst Zahnärztin im Innsbrucker Ärztezentrum „Medicent“ ist. Sie habe im Laufe der Jahre gelernt, mehr Kontrolle über ihre Ängste zu gewinnen. Eine ähnliche Geschichte erzählt Reiner Erler. Der Zahnarzt der Gemeinschaftspraxis „Skydent“ im Tivoli Office in Innsbruck litt jahrelang unter akuter Spritzenphobie. „Das kommt aus meiner Kindheit, da war ich sehr krank und musste viele Spritzen über mich ergehen lassen“, sagt er.

Was also tun? Die Möglichkeit der Vollnarkose bei Angstpatienten nennt die Tiroler Zahnärztekammer als mögliche Behandlungsart. Das vorhandene Risiko einer solchen Behandlung muss jedoch abklärt werden. Die Anwendung von Lachgas hat wiederum den Vorteil, den Patienten zu entspannen und dadurch seine Angst zu reduzieren.

Es kann aber auch anders gehen: „Ich muss meinem Gegenüber vertrauen und eine Beziehung aufbauen, dann geht es“, sagt Erler. Eine familiäre Atmosphäre sei das Um und Auf in seiner Praxis: „Wenn das Team sich gut versteht, spüren das die Patienten und fühlen sich wohler.“

Um das Wohlbefinden zu steigern, nehme er sich viel Zeit und lege großen Wert auf die sprachliche und körperliche Kommunikation: „Körperkontakt ist sehr wichtig, denn er schafft Vertrauen. Wenn ich z. B. eine Spritze gebe, lege ich die andere Hand auf die Schulter des Patienten.“

Eine weitere Möglichkeit ist die Hypnose: „Das sollte man sich nicht so vorstellen, wie man es aus dem Fernsehen kennt“, sagt Zardar. Beim Zahnarzt sei Hypnose eine einfache Methode, um die Patienten in eine Art Trance zu versetzen. Das geschehe ganz unbewusst und ohne große Vorwarnung: „Wenn ich zum Beispiel einen Patienten habe, der mir erzählt, dass er zwei Kinder hat, fange ich an, ihm von meinen Kindern zu erzählen – von gemeinsamen Ausflügen oder was sie gerade in der Schule lernen“, schildert Zargar. Sie rede dann manchmal eine halbe Stunde durch, so lange, wie die Behandlung eben dauere. Die Patienten würden die Behandlung dann nur noch im Hintergrund wahrnehmen.

Die Angst vor dem Zahnarzt ist nicht nur Erwachsenen vorbehalten. Viele Kinder haben bereits vor ihrem ersten Besuch in der Praxis Angst und verschließen fest den Mund. „Vieles wird da von den Eltern übertragen“, sagt Maria Halder-Kessler, Projektleiterin des Bereichs Zahngesundheitsvorsorge bei Avomed. Wenn die Eltern schon nicht gern zum Zahnarzt gehen, würden das die Kinder spüren und sich gegen den Zahnarztbesuch sträuben. Aussagen wie: „Du musst keine Angst haben“, würden wiederum bereits suggerieren, dass eine unangenehme Situation bevorstünde.

Dem arbeitet Avomed entgegen, indem Kindergärten und Schulen in ganz Tirol regelmäßig vom „Dentomobil“ besucht werden. „Wir nehmen uns viel Zeit, lassen die Kinder Assistenten spielen und sie alles genau anschauen, damit sie sich an das Licht und die Gerüche gewöhnen“, sagt Halder-Kessler. Dieser sanfte, spielerische Zugang schaffe bei den Kindern das Vertrauen, das es brauche, um ohne Angst auf dem Stuhl zu sitzen und „Ahh“ zu sagen.

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