Plattform der Österreichischen Zahnärzte

Angst, dass er bohrt

Jeder Dritte hat laut einer deutschen Studie beim Gedanken an den Zahnarzt ein mulmiges Gefühl. Jeder Zwanzigste hat extreme Ängste und Beklemmungen. "Wenn 20 Prozent keine Angst haben, ist das schon hoch gegriffen", sagt der Zahnarzt Robert Schoderböck aus Kremsmünster, "das sagt mir meine 30-jährige Erfahrung." Die Patienten fürchten sich nicht nur vor Schmerzen, sondern auch davor, ausgeliefert zu sein und keinen Einfluss auf das Geschehen zu haben. "Manche, die länger nicht beim Zahnarzt waren, scheuen auch den Besuch, weil sie sich Sorgen machen, dass sie geschimpft werden", sagt der Mediziner. Er zeigt Wege auf, was Patienten helfen kann, das bange Gefühl loszuwerden.

Wortwahl: "Bei uns wird nicht Bohrer oder Spritze gesagt, weil diese Worte oft an schmerzhafte Erlebnisse in der Kindheit erinnern", sagt Schoderböck. Den Bohrer nennt er daher bei jungen Patienten Zahnbesen. "Spritze" wird durch Betäubung ersetzt. Bei Kindern "wird der Zahn schlafen geschickt".

Betäubung: Die Spritzenangst wird gemindert, wenn der Patient fast nichts spürt. Wie das geht? Zuvor wird die Schleimhaut mit einem Gel betäubt. Daraufhin wird nur wenig Betäubungsmittel eingespritzt, der Rest erst dann, wenn es schon eine erste Wirkung erreicht hat.

Hypnose: Sie ist kein Ersatz für die Spritze, aber eine wertvolle Ergänzung. Etwa zehn Prozent der Zahnärzte in Österreich bieten laut Schoderböck diese Methode an, Tendenz steigend. Er praktiziert sie selbst und unterrichtet seit 20 Jahren Zahnärzte im deutschsprachigen Raum in dieser Technik.

Bei der Hypnose werden Geschichten erzählt, die die Patienten von der Behandlung ablenken. Diese klingen manchmal etwas konfus. Das ist Absicht, denn die sogenannte Verwirrtechnik ist eine der wirksamsten Methoden, damit Menschen möglichst wenig davon merken, wenn sie die Spritze bekommen. Die Zahnarztassistentin legt dabei die Hände auf die Schläfen des Patienten, der mit geschlossenen Augen daliegt. "Das beruhigt und erzeugt Trance", sagt der Mediziner und fügt hinzu: "Das Bohrgeräusch und die Vibrationen werden zudem gedämpft."

Stopp-Signal: Vielen Patienten, die Angst haben, dem Zahnarzt ausgeliefert zu sein, hilft es, wenn der Mediziner mit ihnen ein Stopp-Signal vereinbart. Denn Reden ist ja während der Behandlung nicht wirklich möglich. "Ich bitte sie den linken Arm zur Decke zu strecken und nach hinten zu bewegen, wenn sie etwas spüren", sagt Schoderböck. Bei der Hypnose verstärkt dies sogar die Trance.

Musik: Während der Behandlung per Kopfhörer die Lieblingsmusik zu hören, wirkt entspannend und lenkt ab. Zudem sind die Bohrgeräusche kaum zu hören.

Dunkle Sonnenbrille: Manchen geht es damit besser, weil sie nicht von den Spots geblendet werden, während sie auf dem Behandlungsstuhl liegen. Zudem bekommen sie nicht jeden Handgriff des Mediziners mit. Schoderböck will aber lieber die Augen seiner Patienten sehen. "Kneift einer diese ein wenig zusammen, weiß ich gleich, dass es ihm nicht gut geht, und kann reagieren. Es heißt ja nicht umsonst: Die Augen sind der Spiegel der Seele."

Teilnarkose: Dormicum ist ein Medikament, das zuweilen Kindern verabreicht wird, um sie zu beruhigen. Da die Wirkung sehr stark ist, darf es laut Schoderböck nur von speziell ausgebildeten Zahnärzten verabreicht werden. In Österreich wird zudem vereinzelt in Praxen Lachgas verwendet. In Amerika ist diese Form der Teilnarkose laut dem Kremsmünsterer Mediziner hingegen gang und gäbe.

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